Angela Merkel wird die Bemerkung zugeschrieben, der russische Präsident Putin lebe in einer anderen Welt. In der Tat sieht es ganz danach aus, insbesondere aus deutscher Perspektive. Denn im internationalen System, wie es sich heute präsentiert, stellen Deutschland und Russland den grösstmöglichen Gegensatz dar. Das könnte ein Schlüssel zu beidem sein: zu der gefühlten Nähe beider Seiten über viele Jahre hinweg wie auch zu der zunehmenden Konfrontation, zu der die Ukraine-Krise geführt hat.

Der Gegensatz zwischen Deutschland und Russland lässt sich auf der Zeitachse beschreiben. Russland lebt in seiner Wahrnehmung internationaler Politik auch weiterhin in einem System der grossen Mächte, wie es Europa seit Jahrhunderten geprägt hat. Spätestens mit dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 hat Stalin den kommunistischen Internationalismus aufgegeben und stattdessen klassische Machtpolitik im Stil des 19. Jahrhunderts betrieben – mit einem Deutschland, das selbst noch ein paradigmatischer Machtstaat war. Auch die Aufteilung Europas in Interessensphären nach dem Zweiten Weltkrieg war Grossmachtpolitik alten Stils. Deutschland dagegen hat einen radikalen Bruch mit dieser Tradition erfahren. Es definiert sich seit Ende des Zweiten Weltkriegs im Gegensatz zur klassischen Machtstaatlichkeit.

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