Wer die Ermordung des prominenten Putin-Kritikers Boris Nemzow anordnete, werden wir wohl nie erfahren. Dass Putin die Ermittlungen persönlich leiten will, macht die Untersuchung vollends zur Farce. Westliche Regierungen und die Öffentlichkeit werden den Schluss ziehen, dass das russische Regime entweder direkt verantwortlich ist für den Auftragsmord oder doch zumindest für die Schaffung einer Atmosphäre, die die Erschiessung Nemzows in unmittelbarer Nähe des Kreml ermöglichte. Damit sinkt die Temperatur im Verhältnis zwischen Russland und dem Westen um ein paar weitere Grade – in Richtung Eiszeit.

Von der Vision eines «gemeinsamen europäischen Hauses», die seit dem Ende des Kalten Krieges die Beziehungen zwischen der EU und Russland inspirierte, ist mittlerweile nichts mehr übrig geblieben. Die wachsende Repression im Inneren, die fehlende Bereitschaft, die Wirtschaft zu modernisieren, und schliesslich die ebenso zunehmende Aggression Russlands nach aussen, die im Krieg gegen die Ukraine ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat, haben wachsende Distanz zwischen Russland und Europa geschaffen. Mit Nemzows Ermordung dürfte alle noch verbliebene Hoffnung begraben werden, Russland und Europa könnten, solange Putin regiert, jemals wieder Partner werden.

Den vollständigen Text dieses Artikels können Sie in der Neuen Zürcher Zeitung lesen.