Erinnert sich noch jemand an das nukleare Gleichgewicht? An massive Vergeltung und flexible Erwiderung? Wer kennt noch den Unterschied zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen? Die Drohungen, die Europa aus Russland entgegenschallen, machen es offenbar nötig, sich die Begriffswelt des Kalten Kriegs wieder anzueignen. Da dröhnt der russische Chefpropagandist Dmitri Kiseljow: «Russland ist das einzige Land der Welt, das in der Lage ist, die USA in radioaktive Asche zu verwandeln.» Putin erklärt, während der Annexion der Krim sei er bereit gewesen, auch Nuklearwaffen zu benutzen, falls die USA eingegriffen hätten. Und der russische Botschafter in Dänemark droht seinem Gastland mit einem Atomschlag für den Fall, dass es sich am Nato-Raketenschutzschild beteiligt.

Wie realistisch solche Drohungen mit der nuklearen Apokalypse sind, lässt sich schwer einschätzen. Womöglich sind sie nicht mehr als gezielte Drohkulisse, um den Westen abzuschrecken, sich dem Kreml entgegenzustellen, wenn er die Nachbarschaft wieder unter Moskaus Knute zwingen will. Klar ist auch, dass die nukleare Rhetorik ein Ausdruck der Schwäche ist; Russland ist ökonomisch auf dem absteigenden Ast. Der gefallene Ölpreis, die Sanktionen, die ausgebliebene Modernisierung, all das macht Russland zum schwachen Spieler in einer globalisierten Welt, in der ökonomische Stärke mehr denn je Voraussetzung für Einfluss ist.

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