Über Jahrzehnte dominierte in Europa der Prozess der Integration. Die EU-Staaten versprachen sich gegenseitig eine «immer engere Union»: eine Verbindung auf Gedeih und Verderb, ein Zusammenwachsen zu einem eigentümlichen Gebilde, das Elemente des Nationalstaatlichen, des Übernationalen und des Internationalen verbinden sollte. Auch die Nachbarn fühlten sich in wachsendem Masse zu diesem Europa, das für Prosperität wie für Freiheit stand, hingezogen. Mit Russland wollte die EU, auf Deutschlands Initiative, «gemeinsame Räume» gestalten. Mit anderen osteuropäischen Nachbarn verabredete man eine «Partnerschaft», für die südliche Nachbarschaft gab's die «Union für den Mittelmeerraum». Die Entwicklung schien gleichsam naturgesetzlich in Richtung Konvergenz zu gehen: Alle Modernisierungswege führten nach Europa, auch wenn es viele Hindernisse und Rückschläge zu bewältigen galt.

Tempi passati. Heute wird die EU nur noch mit Mühe zusammengehalten. Die Briten erwägen, ganz auszuziehen aus dem europäischen Haus. Ein solcher «Brexit» könnte zentrifugale Kräfte in der EU ermutigen, es den Briten gleichzutun. In jedem Fall will Cameron die Klausel von der «immer engeren Union» aus den EU-Verträgen streichen lassen, eine Kernforderung bei den Bleibeverhandlungen Grossbritanniens. Im Süden dagegen droht der «Grexit», der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone oder gar der EU.

Den vollständigen Text dieses Artikels können Sie in der Neuen Zürcher Zeitung lesen.