Im Jahre 1667 beschrieb Samuel Freiherr von Pufendorf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als «irregulären und einem Monstrum ähnlichen Corpus». Den Heidelberger Staatsrechtler irritierte, dass das Reich, das weite Teile Mitteleuropas seit dem Mittelalter locker überwölbte, sich mit den Begriffen der antiken Staatsformenlehre nicht beschreiben liess und auch der moderne Begriff der Souveränität nicht anwendbar war, da sich ein einheitlicher Sitz der Staatsgewalt in der komplexen Verfassung des Reiches nicht ausmachen liess.

Ein heutiger Pufendorf, der sich die Europäische Union anschaute, würde wohl zu einem ähnlichen Urteil kommen. Auch die EU ist kein Staat, hat keinen klaren Sitz der Souveränität, kurz: Auch sie passt in kein geläufiges Schema. Weshalb das deutsche Bundesverfassungsgericht die EU als Entität «sui generis» bezeichnet hat: eigentümlich, von eigener Art oder auch irregulär. Auf den ersten Blick sind es die Institutionen in Brüssel, die die EU regieren: die Europäische Kommission, der Europäische Rat, das Europäische Parlament. Doch die dramatischen Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, wo die wirkliche Macht nach wie vor residiert: in den Hauptstädten der europäischen Nationalstaaten, allen voran in Berlin und Paris.

Daraus aber zu schliessen, dass Berlin und Paris die EU von oben nach unten durchregieren, wäre ein fataler Irrtum.

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